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ADAC-Zentrale, München

Münchens Stadtsilhouette ist um einen markanten und sehr farbigen Akzent reicher: Die ADAC-Zentrale.

ADAC-Zentrale, München

Im Gewerbegebiet des Westends, direkt an der Bahntrasse gelegen erhebt sich weithin sichtbar der 93 Meter hohe Turm, unter dessen Dach der ADAC seine 2.400 Münchner Mitarbeiter wieder vereint. Vor dem Einzug in die neue Firmenzentrale waren sie auf 7 Standorte verteilt. Mit Rücksicht auf Straßenraum und Schattenwurf ordneten die Architekten den Turm direkt an der Bahntrasse an. Er thront auf einem 5-geschossigen amöbenförmigen Sockelbau, der respektvollen Abstand zu einer denkmalgeschützen Villa auf dem Grundstück hält, zur Bahntrasse hin gerade abschließt und sich zur Straße hin einladend öffnet. Er umschließt einen ebenso organisch geformten Innenhof, in dem ein zweigeschossiges, glasüberdachtes Atrium für lichte, freundliche Willkommensatmosphäre sorgt.


Moderne Arbeitsatmosphäre

ADAC-Zentrale, München

Von hier erschließen sich Schulungs- und Konferenzbereich, Casino, Cafeteria, Tiefgarage, Versorgungs- und die Bürobereiche. Darin setzt sich die räumliche Offenheit und Durchlässigkeit fort. In den großen hellen Arbeitsräumen herrscht das Prinzip des mobilen Büros: Jeder Mitarbeiter verfügt über einen Rollcontainer, in dem sein Büro untergebracht ist. Mit diesem kann er sich an jeden beliebigen Arbeitsplatz seines Bereichs andocken. So lassen sich sowohl effektive Arbeitsgruppen als auch ruhige Einzelarbeit leicht einrichten. Zur besseren Orientierung ist das Gebäude in sechs Gebäudeteile mit einem Farbleitsystem aufgeteilt; jeder Bereich hat seine eigene Beschriftungsfarbe.


Das bunte Mosaik aus der Feder von Sauerbruch Hutton

ADAC-Zentrale, München

Seine Farbigkeit macht auch den Turm zum magischen Blickfang. Die Fassade bildet ein buntes Mosaik aus 22 der CI des Bauherrn geschuldeten Gelbtönen und ist Teil des anspruchsvollen Energiekonzepts. Dieses setzt auf Geothermie, Bauteilaktivierung, Photovoltaik und natürliche Lüftung. Die Fassade ist deshalb doppelt verglast. Zwischen Innenscheibe und außen angeordneter Prallscheibe sorgen Jalousien für zentral gesteuerten, windunabhängigen Sonnenschutz und reduzieren die Kühllast im Gebäude. Gleichzeitig gelangt Frischluft in den Zwischenraum, wo sie zirkuliert und die Fassade ebenfalls kühlt. Beheizt wird der Neubau über Fernwärme; parallel deckt er 20 Prozent seines Energiebedarfs über Erdwärme. Zusätzlich produzieren 1.500 m² Photovoltaikpanele Solarstrom, der ausschließlich in die Energieversorgung des Gebäudes einfließt.


Organische Formgebung - sogar für die Technikaufbauten

ADAC-Zentrale, München

Die 1.452 Module dienen zugleich der ansprechenden Optik. Da das Dach des Sockelbaus vom Turm und umliegenden höheren Gebäuden gut einsehbar ist, unterlag es einem höheren Gestaltungsanspruch. So zeichnen die darauf angelegten Wege die Gebäudeform nach. Die unvermeidlichen Technikaufbauten verschwinden hinter Streckmetallwänden überdeckt von den Solarmodulen und bilden 5 organisch geformte Inseln, die sich ebenfalls an der Außenform orientieren.


Besondere Windlasten

ADAC-Zentrale, München

Die Windlasten galt es hierbei zu berücksichtigen, sie beeinflussten auch den Dachaufbau. Rund um Hochhäuser entstehen starke Luftströmungen mit Verwirbelungen. Im Falle der neuen ADAC-Zentrale entsteht durch die angrenzende Bahntrasse zusätzlicher Windangriff. Eine eigens erstellte Windkanalstudie lieferte die jeweils nötigen Eigenlasten des Dachaufbaus. Im Bereich der Attika und speziell in den an den Turm angrenzenden Bereichen entstehen die größten Verwirbelungen. Dort sorgen breitere Plattenflächen mit stärkerer Plattendicke für das nötige Gewicht.


ADAC-Zentrale, München
Grafik: Teutsch Ritz Rebmann, München

In diesen windbeanspruchteren Flächen sind die Begrünungsflächen mit Überhöhung ausgebildet und mit einer zusätzlichen Vegetationsmatte versehen. Darunter gewährleisten 7.000 m² hochwertige Elastomerbitumenbahnen die sichere Abdichtung. Den nötigen Schutz vor dem Wurzelwerk bietet die Oberlage aus wurzelfest ausgerüsteten beschieferten Polymerbitumenbahnen.


ADAC-Zentrale, München

Durch die starken Luftströmungen in fast 100 Metern Höhe konnten auf dem Dach des Turmes nur noch 12 cm dicke Betonplatten die notwendigen Eigenlasten liefern. Darunter ist das Dach als Warmdach ausgeführt mit einer Dämmung aus Schaumglas, auf der Elastomerbitumenbahnen in Bitumen eingeklebt wurden. Auch hier wurden als Oberlage wurzelfest ausgerüstete Polymerbitumenbahnen aufgeschweißt.
Die anspruchsvolle Architektur und angenehme Atmosphäre machen die ADAC-Zentrale zu einem faszinierenden Bauwerk. Unter dem neuen Dach findet Europas größter Automobilclub einen kreativen Arbeitsraum, der dem technisch hohen Anspruch gerecht wird.


Objekt: ADAC-Zentrale
Standort: München
Geschosse: 5 Flachbaugeschosse, 18 Hochhausgeschosse, 3 Untergeschosse
Bruttogeschossfläche 129.500 m²
Gebäudehöhe: Hochhaus 93 m / Flachbau 21 m
Wettbewerb: 2004
Baubeginn: 2006
Einzug: 11/2011
Entwurfsverfassser: Sauerbruch Hutton Architekten, Berlin
Ausführungsplanung: KEC Planungsgesellschaft mbH
Landschaftsplanung: Teutsch Ritz Rebmann, München
Dachabdichtung: Rudolf Schweiger GmbH & Co. KG
Bauherr: ADAC


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